Bruche – Die Mittelalter Unterhose für Herren

Mann mit Bruche

Was trugen Männer im Mittelalter eigentlich als Unterwäsche? Diese Frage stellen sich viele Mittelalterfans wenn es darum geht eine mittelalterliche Gewandung zu erweben/machen.

Männer trugen im Mittelalter eine sogeannte Bruche als Unterhose. Man könnte die Bruche als eine Art ursprüngliche Boxershorts beschreiben. Es gab sowohl kurze als auch lange Varianten. Neben dem Tragen unter der Kleidung, wurde die Bruche auch oft von Bauern während der Feldarbeit getragen.

Im Folgenden geht es um die Bruche und ihre Verwendung im Mittelalter, das Material aus dem sie waren und wie man sie heute nachnähen kann.

Wie sahen Bruchen aus und wie wurden sie getragen?

Die mittelalterliche Bezeichung der Unterhose war „Bruoch“ ohne „e“ am Ende. Heute wird besonders in der Mittelalter- und Reenactment Szene meistens das Wort „Bruche“ verwendet.

Die Bruche ist recht weit geschnitten und sollte, (gerade bei Reiten!) bis weit unters Knie reichen, um ein Herausrutschen aus den Beinlingen zu verhindern.

Aus Abbildungen ist bekannt, daß die Bruchen der Bauern häufig hinten geschlitzt und mit einem Band unter dem Knie zugebunden waren. Man konnte so die Beinteile oben festbinden und hatte eine größere Bewegungsfreiheit. Inwieweit das auf andere Stände zutrifft ist nicht bekannt.

„Mowing“, folio 4r, detail from the Hunterian Psalter, Glasgow University Library MS Hunter 229 (U.3.2)
Maciejowski Bible (Morgan Bible), Folio 18r, 13. Jhd.

Am Bund wird ein Tunnelzug eingearbeitet und die Bruche mit einem durchgezogenen Gürtel in der Taille gerafft. Vorn am Tunnel werden Nestellöcher angebracht, durch die die Befestigungsbänder für Beinlinge gezogen werden. Diese Nesteln werden am Bruchengürtel befestigt und durch die Löcher nach außen gezogen.

Aus welchem Material waren Bruchen gemacht?

Bruchen wurden hauptsächlich aus hellen Leinen gefertigt (hell bis weiß). Diese fühlen sich auf der Haut schön kühl an, sind sehr geruchsneutral, auch bei Schweiß und eignen sich daher gut als Unterhose als auch Arbeitskleidung.

Nähanleitung für eine mittelalterliche, lange Bruche

Es gibt verschiedene Ansätze wie man eine mittelalterliche Bruche nähen kann. Der genaue Schnitt bleibt jedoch spekulativ, da bisher keine vollständige Bruche aus dem Mittelalter gefunden wurde. Das meiste Wissen über Bruchen stammt von künstlerischen Abbildungen.

Hier findest du eine simple Variante, die für jeden realtiv einfach umsetzbar sein sollte. Man braucht nur etwas Leinenstoff, ein Maßband zum Abmessen der Länge, und Nähzeug oder eine Nähmaschine.

Der Schnitt dazu stammt aus dem Buch „The Medieval Tailor’s Assistant“, in dem sich viele Anleitungen zum Schneidern von mittelalterlicher Kleidung finden.

Die gesamte Bruche wird aus einem horizontalen langen Leinenstück gemacht (soass es aussieht als würde die Hose im Spagat sein).

Zudem wird ein weiteres schmales Stück Leinen benötigt, das einen Tunnelzug am oberen Ende der Bruche bildet, durch das eine Kordel gezogen werden kann, um die Bruche oben enger zu machen und damit sie nicht herunterfällt.

Der Tunnelzug wird in Kreisform oben an die Bruche angenäht, wo die Hüfte sein wird – sie bildet damit den Bund der Bruche. Eine Kordel oder ein Gummiband kann dann in den Tunnelzug eingefügt werden, um den Sitz zu verbessern.

Tunnelzug (oben), Dreieck Zwischenstücke (mitte) und Beine (unten) für die Bruche
Der Tunnelzug wird in runder Form oben auf den Beinstoff aufgenäht und eine Kordel eingesetzt wo die Hüfte sitzen wird. Die Dreiecke helfen mehr Platz für die Hüfte einzunähen. Der Beinstoff wird an den beiden Seiten oben neben der Hüftöffnung zusammengenäht.

Wenn der Tunnelzug angenäht ist, müssen noch die Beine oben zugenäht werden und dann kann die Bruche schon angezogen werden.

Die fertige Bruche wenn die Beine nach unten hängen.

Die Länge des Stoffes sollte man vorher abmessen. Für einen Faltenwurf, wie man ihn auf zeitgenössischen Abbildungen sieht, kommt man schon mal auf ca. 3 m Umfang!

Dann sollte aber recht feines Leinen verwendet werden. Wird die Bruche zum Reiten verwendet, sollte man einen etwas engeren Schnitt wählen, da die Falten doch recht unangenehm scheuern können.

Für den Bruchengürtel eignen sich brettchengewebte Gürtel (Ledergürtel sind eher unbequem). Für die Nesteln bieten sich fingerschlaufengewebte oder auch schmale Brettchenborten an.

Eine andere Variante wie man eine Bruche nähen kann findet sich auf der Seite der Gruppe Via Nostra.

Haben Frauen im Mittelalter auch eine Bruche getragen?

Es ist nicht bekannt, ob Frauen im Mittelalter außer dem Leibhemd Unterwäsche trugen. Teilweise wird davon ausgegangen, da auch Frauen Beinlinge an etwas befestigen mussten.

Die Mädels, die am Hobby Mittelalter interessiert sind, können sich also unter Umständen das Nähen einer Bruche sparen.

Quellen:

  • Sarah Thursfield (2001). The Medieval Tailor’s Assistant.
  • Änne Liebreich: Kostümgeschichtliche Studien zur kölnischen Malerei des 14. Jahrhunderts. In: Jahrbuch für Kunstwissenschaft. 1928, ISSN0863-582X, S. 65–104, JSTOR:24496127.

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