Allgemeines

 Stoffe und Farben

 Basisausrüstung

 Kinder in der AG HMA

 Rüstung und Waffen

 Zelte

 Bezugsquellen

Hinweis:
Es mag vielleicht seltsam erscheinen, daß wir an zeitgenössischen Beispielabbildungen nahezu ausschließlich die Kreuzritterbibel Ludwigs IX. heranziehen, deren Entstehungsort Frankreich ist. Dies hat mehrere Gründe:
1. findet sich im deutschsprachigen Raum kaum ein vergleichbar detailreiches Dokument aus dieser Zeit
2. orientierte sich die deutsche Mode stark an der französischen. Vergleiche der für uns relevanten Ausschnitte mit deutschen Quellen ergeben kaum große Unterschiede.
3. ist das Entstehungsdatum der Kreuzritterbibel nahezu zweifelsfrei auf die Mitte des 13. Jhd. datiert
4. dient die Beschränkung dem einheitlichen Layout dieser Website

Allgemeines  

Bei der Beschaffung oder Herstellung zeitgenössischer Ausrüstung, Kleidung und sonstigem Zubehör treten immer wieder Fragen auf, die wir mit dieser Übersicht zumindest ansatzweise beantworten wollen. 
Jedoch können auch wir nur einen groben Überblick bieten und bauen auf einer Basisausstattung, wie sie ein Bauer, einfacher Handwerker oder eine Magd getragen haben könnte, auf. Auch für andere Darstellungen kann diese prinzipiell übernommen werden, unterschied sich die Ausstattung, je nach sozialem und gesellschaftlichem Rang, häufig lediglich in der besseren Qualität der Materialien, der üppigeren Stoffmenge (Weite, Länge, Verzierungen) und kräftigeren, teureren Farben. Zu beachten ist auch, daß es innerhalb des gleichen sozialen Standes, abhängig von der wirtschaftlichen und finanziellen Situation, enorme Unterschiede geben konnte. Ebenso spielten regionale Kleiderverordnungen eine Rolle.

Wir weisen darauf hin, daß wir uns, gerade im Bereich der unteren Stände, teilweise ins Reich der Spekulationen begeben haben, da es kaum Quellen über das einfache Volk gibt. Die wenigen zeitgenössischen Abbildungen sind oft allegorisch und können nicht 1:1 für eine realitätsnahe Umsetzung übernommen werden. Es wurde für den Adel über den Adel geschrieben, das einfache Volk war eine im Regelfall nicht erwähnenswerte Selbstverständlichkeit.

Die „Schnittmuster“ sind anfänger-optimiert und basieren auf dem optischen Erscheinungsbild hochmittelalterlicher Kleidung. Sie sind jedoch keinesfalls Kopien historischer Kleidungsstücke und befreien nicht vor weitergehender Recherche. Beispiele erhaltener Kleidung des 13. Jahrhunderts

Für die Unterwäsche empfiehlt sich Leinen, die Oberbekleidung sollte aus Wolle bestehen. Die ersten Versuche einer nähenden Maschine datieren in das Jahr 1755, deshalb war die Handnaht während des gesamten Mittelalters obligatorisch, zumal eine Maschinennaht gerade an den Säumen oft leicht zu erkennen ist und das optische Erscheinungsbild beeinträchtigt. Leinengarn bzw. –zwirn ist sowohl für Leinen- als auch Wollstoffe verwendbar.

Stoffe und Farben

An Stoffen kommen für alle Darstellungen in Frage:

 Leinen (Tuch- oder Fischgratbindung)
 Wolle (Tuch- oder Köperbindung)

Höheren Ständen vorbehalten sind:

 Seide
 Seidenbrokat und Damast
 Samît, Lampas etc.

Die Stoffe sollten möglichst gedeckte Farben haben oder ungefärbt und ungebleicht sein. Kräftige, leuchtende (vor allem lichtbeständige) Farben und Mischfarben waren sehr teuer und sollten nur in einer adäquaten Darstellung verwendet werden. Ausnahmen sind relativ preiswerte Naturfarbstoffe wie z.B. Krapp oder Birke, mit welchen sich Wolle auch kräftig leuchtend färben läßt. Zu beachten ist auch, daß Leinen schwieriger mit Naturfarbstoffen zu färben ist als Wolle.

Basisausrüstung
Alle Schnittschemata sind auf eine damals übliche Stoffbreite von ca. 50 bis 80 cm ausgelegt.

Männer

Frauen

Persönliche Ausrüstung

Bruche

 

Messer

Leibhemd

Leibhemd

Löffel

Beinlinge

Strümpfe

Eßschale

Cotte

Cotte

Trinkgefäß

Surkot

Surkot

Feuerzeug

Kopfbedeckungen

Kopfbedeckungen

Schreibtafel (opt.)

Gürtel

Gürtel

Beutel und Tasche

Schuhe

Schuhe

Schlafzeug

Mantel

Mantel

Accessoires

Cappe

Cappe

Kleinkram

Gugel

Gugel

 

Kinder

Wir haben uns entschlossen, an Kinder prinzipiell dieselben Anforderungen bezüglich der Ausrüstung zu stellen, die auch für die erwachsenen Teilnehmer gelten. Allerdings wissen wir aus eigener leidvoller Erfahrung, daß Kinder mindestens 1-2 x jährlich neue Klamotten und vor allem Schuhe benötigen. Außerdem teilen sie das Hobby ihrer Eltern nicht immer ganz freiwillig und nichts ist nervender für alle Beteiligten, als ein dauerquengelndes, schreiendes Kind *g*. Deshalb drücken wir hier ein Auge zu und akzeptieren folgende Kompromisse:

 Kinderschuhe müssen nicht aus vegetabil gegerbtem Leder hergestellt werden. Nehmt aber bitte nicht gerade hochglänzendes Lackleder.

 Bei Stoffen akzeptieren wir auch Leinen- und Wollgemische, sofern es optisch nicht ins Auge fällt. Achtet aber bitte auf gedeckte Farben und bedenkt, daß nur reine Wolle guten Wetterschutz bietet.

 Bei anhaltendem Regen und durchweichten Böden dürfen Kinder Gummistiefel tragen.

 Brillen, Hörgeräte und sonstige Prothesen werden für Kinder geduldet.

 Kinder werden nicht gegen ihren Willen in die Rollendarstellung einbezogen. Allerdings sind die größeren oft mit Feuereifer dabei und das dürfen sie dann auch.

 Und ja, Babies und Kleinkinder dürfen Pampers tragen *g*

Andere, nicht ins Bild passende, für Kinder aber lebensnotwendige Dinge (wie z.B. Corn Flakes, Kuscheltiere, etc.) werden entweder durch zeitgemäße ersetzt oder bleiben außer Sichtweite.
Aus eigener Erfahrung können wir sagen, daß man mit etwas Überlegung durchaus viele störende, moderne Dinge durch zeitgenössische ersetzen kann. Spielzeugfunde gibt es reichlich und die Kleinen eifern den Erwachsenen oft gern nach und wollen gar keine Sonderbehandlung.

Rüstung und Waffen

Allgemeines

Gerade im Rüstungs- und Waffenbereich stoßen zwei Interessen -im wahrsten Sinne des Wortes- frontal aufeinander:

1. die historische Integrität

2. die eigene körperliche Unversehrtheit

Übungskämpfe und Waffentraining werden unter sportlichen und informativen Aspekten absolviert und dienen der Vervollständigung der Gesamtdarstellung. Da dies für uns eine Freizeitbeschäftigung und kein Ernstfall (historisch: Tod des Gegners) ist und um das Verletzungsrisiko zu minimieren, gelten folgende, eigentlich selbstverständliche Punkte:

 Das Tragen von Waffen unter Alkoholeinfluß ist untersagt!

 Den Anordnungen des Übungsleiters ist unbedingt Folge zu leisten

 Der Körperschutz soll optisch dem historischen Vorbild entsprechen. Erkennbar moderne Schutzbekleidung (Motorrad- oder Schweißerhandschuhe, etc.) wird nicht akzeptiert.

 Das Training erfolgt mit Holz- oder stumpfen Waffen

 Einführung in das Deutsche Waffenrecht (mit freundlicher Genehmigung von Tempus-Vivit!)

 

Übersicht

Rüsthaube

Waffen

Helm

Banner und Wimpel

Gambeson

Pferdeausrüstung

Kettenhemd

Sonstiges

Kettenbeinlinge

 

Zelte

Durch ihre Ausmaße haben Zelte einen großen Einfluß auf den gesamten optischen Eindruck eines Lagers. Wünschenswert in einem AG-Lager sind überwiegend kleine, einfach konstruierte Zelte, sowie Pavillons für die ranghöhere Darstellung.

Leider haben Zelte einen entscheidenen Nachteil: Sie sind teuer.
Soweit es möglich ist, plant die AG HMA Veranstaltungen dort, wo keine oder nur wenige Zelte benötigt werden. Dies läßt sich jedoch nicht immer realisieren. Vorhandene Zelte, sofern sie den Gesamteindruck nicht nachhaltig stören, werden deshalb mittelfristig noch zugelassen. Neu anzuschaffende Zelte sollen jedoch den untenstehenden Anforderungen entsprechen.

Der Besitz eines eigenen Zeltes ist für die meisten Darstellungen nicht belegbar und lediglich ein Zugeständnis!

Zelte sind uns nur in geringer Zahl von zeitgenössischen Abbildungen bekannt, aus denen die genaue Konstruktion nicht erkennbar ist. Wir sind deshalb auf Spekulationen angewiesen, die zumindest ein optisch entsprechendes Bild ergeben.

Zelttypen

 Pavillon (rund oder oval, ohne äußere Seitenmasten)

 Apsidenzelt

 Kegelzelt

 A-Zelt, Marke "Dackelgarage" (KEINE Wikizelte!)

 einfache Dachplane

Stoffe

Zelte sollten aus festem Leinen bestehen, Baumwolle oder gar moderne Kunstfasern sind nicht geeignet. Dieser muß nicht imprägniert werden, da die Fasern bei Feuchtigkeit aufquellen und sich selbst abdichten.

Farben

Der überwiegende Teil der Zelte auf zeitgenössischen Abbildung ist weiß dargestellt, teilweise auch mit Bemalung. Die AG HMA bevorzugt deshalb ungefärbte Zelte.

Konstruktion

Das Gestänge sollte aus naturfarbenem Holz, Seile aus Naturfasern (Hanf) bestehen. Deutlich erkennbare Kunststoffseile sind nicht zugelassen. Heringe sind aus Holz oder Eisen. Moderne Heringe sind nur zugelassen, wenn die Bodenverhältnisse des Veranstaltungsgeländes und Vorgaben des Veranstalter dies zwingend erforderlich machen.

© Stephanie & Claus Winhard